Life’s Essential 8 der American Heart Assossiation

Die Life’s Essential 8 der American Heart Assossiation sind durch Studien unterstützte Aussagen, die ein Risiko für Herzkreislauferkrankungen reduzieren können. Auch wenn medikamentöse Therapien in den letzten Jahren die Häufigkeit und Schwere von Herzkreislauferkrankungen zunehmend reduzieren konnten, sind die nicht-medikamentösen Maßnahmen nach wie vor effektiver, insbesondere je früher im Leben sie umgesetzt werden.

1. Ausgewogene Ernährung

Generell wird zu einer DASH-ähnlichen oder mediterranen Ernährungsweise geraten. DASH bedeutet eine hohe Zufuhr von Früchten, Gemüsen, Nüssen und Hülsenfrüchten sowie eine geringe Zufuhr von Fetten, Salz, rotem und verarbeitetem Fleisch und gesüßten Getränken.

Die Physicians Association for Nutrition bricht diese Empfehlung anhand von weiteren Daten aus den sogenannten Bluezones auf wenige Empfehlungen herunter:

  1. wenig tierische Nahrungsmittel (auch Milchprodukte und Eier)
    • der Gedanke ist hier tierische Fette zu meiden, die sich in Studien negativ auf „gute Lebensjahre“ (Disability Adjusted Life Years =DALY’s) auswirken
  2. möglichst wenige stark verarbeitete Nahrungsmittel wie Wurstwaren, Backwaren, gepöckeltes oder auch lang gekochte Produkte oder Fruchtgetränke (auch Smothies, Fruchtsäfte usw.)
    • Reduktion von Kochsalz (<5-8g/d) erhöht die Anzahl von DALY’s
  3. ein möglichst bunter Teller
    • abwechslungsreiche Ernährung mit unterschiedlichen Lebensmitteln scheint günstig für ein langes gesundes Leben zu sein
    • von manchen Autoren werden mehr als 30 unterschiedliche Arten von Obst und Gemüsen pro Woche empfohlen

2. Körperliche Aktivität

Zur körperlichen Aktivität existieren ausreichend viele Daten um sicher sagen zu können, dass Bewegung und Sport sich extrem günstig auf die Vermeidung von Herzkreislauferkrankungen (und reichlich weiteren Erkrankungen) auswirken.

Aktuelle Empfehlungen sprechen von mindestens 150 Minuten moderater körperlicher Belastung oder mindestens 75 Minuten intensiver Belastung pro Woche, wobei sich hier ein Mehr an sportlicher Aktivität anscheinend auch bessere Langzeitergebnisse bietet.

Für Kinder ab sechs Jahren  werden übrigens mindestens 420 Minuten pro Woche empfohlen!

Was ist nun moderate Belastung?
Die genaue Definition ersparen wir Ihnen. Vereinfacht ist eine moderate Belastung von zügigem Gehen über Yoga oder einem Tennis-Doppel bis zum Krafttraining. Hierbei erzielen Sie ein metabolisches Equivalent von 3-6, was näherungsweise einer moderaten Belastung entspricht. Explizit ist hier jedoch die sportliche Aktivität gemeint. Tätigkeiten im Garten oder das reine Schrittezählen sind hier nicht impliziert.

Was ist intensive Belastung?
Ebenso annähernd sind hier höhere Belastungen gemeint: rasches Fahrradfahren, Schwimmen und Laufen in höheren Geschwindigkeiten.

Hinweis: der aktuellen Fitness-Trend hin zum Besuch eines Fitness-Studios ist sicherlich zu befürworten. Wenn Sie jedoch monotone Bewegungen auf einzelne Muskeln aufbringen, erzielen Sie eine deutlich geringere Leistung als bei der Mobilisierung von großen Muskelgruppen. Entsprechend ist zur Vermeidung von Herzkreislauferkrankungen ein „Full-body-workout“ gegenüber einem Bizepstraining günstiger.

3. Nikotinverzicht

Genereller Nikotinverzicht bringt Ihnen mehr gesunde Lebensjahre.

Anekdotische Geschichten über Persönlichkeiten, die trotz hohem Nikotinkonsums alt geworden sind bleiben Anekdoten.

Ebenso sind Heat-not-burn-Tobaccos, Vaping-Devices und Shishas nicht gesünder und nach neueren Daten wahrscheinlich auch nicht weniger schädlich.

Um so früher Sie aufhören zu rauchen, destso höher der Effekt.

4. Schlafdauer

Die Schlafdauer kann anscheinend ebenso die Herzgesundheit beeinflussen. Als ideale Schlafdauer werden sieben bis neun Stunden betrachtet, hier bestehen jedoch starke interindividuelle Unterschiede.

5. Kein Übergewicht

Übergewicht korreliert positiv mit dem Eintreten von Herzkreislauferkrankungen. Übergewichtige haben also ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Hier spielen zum einen die Gründe für Übergewicht eine Rolle (siehe Punkt 1: ausgewogene Ernährung und Punkt 2: körperliche Aktivität) aber ebenso geht Übergewicht mit einem häufigeren Auftreten von Bluthochdruck und Diabetes mellitus Typ 2 einher. Beides sind ebenso Risiken für Herzkreislauferkrankungen.

Ein BMI von 18.5 bis 24.9 wird als ein Zielmarker für eine bestmögliche Herzgesundheit betrachtet. Jedoch ist die Abschätzung des Herzkreislaufrisikos mittels des Body-Mass-Index umstritten. In Abhängigkeit der Ethnizität kann nähmlich ein BMI von 24.9 teilweise schon als „ungesund“ gelten und die Empfehlung entsprechend noch niediger ausfallen (nicht höher, sorry!).

6. Lipidstatus

Die Messung der Cholesterinwerte, insbesondere der Non-HDL-Cholesterins, können über den Vergleich zu Langzeitstudien Aussagen zur Häufigkeit von Herzkreislauferkrankungen machen. Im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung in unserer Praxis erfolgt die Messung Ihres „persönlichen“ Risikos anhand der entsprechden Vergleichsstudien.

Eine Veränderung der Werte ist über eine ausgewogene Ernährung, körperliche Aktivität und Medikamente möglich.

7. Glucosespiegel

Wie schon erwähnt spielt die Entwicklung von einem Diabetes mellitus auch eine Rolle bei dem Herzkreislaufrisiko. Diabetespatienten haben ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und weitere Kreislauferkrankungen. Um so besser die Blutzuckerwerte sind, destso seltener treten diese Endorganschäden auf.

Im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung findet auch ein Screening auf Diabetes mellitus statt.

Zum Management des Diabetes empfehlen wir bei einer Erkrankung die Aufnahme in ein Disease Management Programm. Hier prüfen wir in regelmäßigen Abständen auch Ihr Herzkreislaufrisiko.

8. Blutdruckkontrolle

Bluthochdruck stellt ein Risiko zur Entwicklung von Herzkreislauferkrankungen dar. Hierbei spielt ein einmalig hoher Blutdruck weniger eine Rolle als ein durchweg erhöhter Blutdruck. Deshalb ist eine Blutdrucktherapie auch immer eine Dauertherapie.

Optimal gelten Blutdrücke von unter 120/80 mmHg. Definitiv sollte in der Messung daheim im Mittel der Blutdruck unter 135/85 mmHg liegen. Für Patieten über 70 können individuell höhere Werte vereinbart werden.

Nach Lloyd-Jones D et al. Life’s Essential 8: Updating and Enhancing the American Heat Association’s Construct of Cardiovascular Health: A Presidential Advisory From the American Heart Association. Circulation. 2022